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Über den Sinn des Lebens

Ein etwas unstrukturiertes Essay

Eintagsfliegen, es gibt ungefähr 3000 Arten davon, leben manchmal nur 40 Minuten. Ihr Darm zeigt sich für die Nahrungsverwertung als nutzlos, ihre Mundwerkzeuge sind verkümmert. Lediglich die Mundwerkzeuge der, meist im Wasser lebenden Larven sind ausgeprägt. Nach der letzten Häutung nutzen sie die kurze Lebensspanne zur Befruchtung und zur Eiablage. Fossilien zeigen frühe Eintagsfliegen schon vor 300 Millionen Jahren.

Der moderne Mensch, Homo sapiens sapiens, datiert circa 30.000 Jahre zurück. Bis noch vor hundert Jahren lag die Säuglings- und Kindersterblichkeit so hoch, dass es Sinn ergab, um den Fortbestand zu retten, viele davon zu erzeugen – in der Hoffnung, dass möglichst viele davon überlebten.

Seitdem der Mensch sesshaft wurde, Tiere und Pflanzen züchtete, erhöhte sich die Lebenserwartung stetig und bringt heutzutage Menschen hervor, die teilweise über 100 Jahre werden können.

Das Zeitalter der Industrialisierung ist dem Menschen in sofern zugute gekommen, als dass er nun weniger Zeit pro Tag in Arbeit investieren muss und somit mehr Freizeit “genießen” kann. Man muss nun nicht mehr früh morgens aufstehen, das Vieh versorgen, den Acker bestellen und bis spät in den Abend Werkzeuge reparieren oder Geschirr herstellen. Das machen nun Spezialisten. Die somit hergestellten Waren werden mit anderen, selbst hergestellten Waren getauscht, oder mit Geld bezahlt. 

Die gewonnene Freizeit wird genutzt um sich zu auszuruhen, zu belustigen oder zu betäuben. Dabei kann Betäubung als Flucht vor der Realität in vielen Facetten gesehen werden, sei es mit Drogen, dem Lesen von Büchern oder das Anschauen von Kinofilmen. In keinem dieser Szenarien wird ein Wert erschaffen, der dem Rest der Menschheit zugute kommt – abgesehen von unter Drogeneinfluss erstellen Kunstwerken. Allerdings stellt sich hier die Frage, inwiefern diese Kulturgüter einen Wert darstellen. Nicht abzustreiten ist, dass die erworbenen Fähigkeiten von Generation zu Generation weiter gegeben wurden, mittels (oftmals auch unter Drogeneinfluss entstandenen) erworbenen Techniken. 

Dieses Wissen führte zu weiteren Annehmlichkeiten, wie verkürzten Arbeitszeiten für Berufe die körperlichen Einsatz erfordern, oder der Tatsache, dass sich mehr und mehr Dienstleistungsberufe finden lassen. Sogar Berufe die nichts anderes tun als “denken”, also keinen materiellen Mehrwert erschaffen, sind für jedermann möglich. 

Die so entstandenen Gesellschaften beruhen darauf, Kinder behütet aufzuziehen, sie zu bilden und zu formen, um mit jedem Kind ein “wertiges Mitglied” dieser Gesellschaft zu schaffen. Kinder wurden normiert und jede Abweichung wurde jahrhundertelang mit harten Bandagen bekämpft, unterdrückt oder ermordet. De facto haben wir diese Phase immer noch nicht überwunden. Vor 30 Jahren zeigten Fernsehbilder grausam zusammengepferchte, an ihren Betten angekettete, im eigenen Urin liegende Kinder in Rumänischen Heimen. In anderen Ländern werden auch heutzutage immer noch Kinder mit Ritalin oder anderen Drogen vollgestopft, sollten sie von der Norm abweichen. Sind diese dann einmal aus dem Kindesalter erwachsen, sind auch sie dazu verpflichtet – von einigen wenigen Ausnahmen abgesehen – sich dem Produktions- und Konsumkreislauf anzuschliessen. Somit befinden sich nahezu alle Menschen in eben diesen Kreisläufen. Selbstverständlich – warum eigentlich? – werden diejenigen mit geringerer Bildung, also diejenigen die nur einfache Tätigkeiten ausführen können, geringer entlohnt. Womit sie ihren Lebensunterhalt nur knapp bestreiten können und oftmals auf staatliche Unterstützung, und sei es durch Kindergeld, angewiesen sind. Eine jede soll mehr oder weniger ein Drittel seines Tages mit Arbeit verbringen. Reicht das Geld dann nicht um die anderen Zweidrittel “sinnvoll” auszufüllen, helfen nur noch Drogen. Eine davon ist das Fernsehen, oder das Internet. Clevere Zeitgenossen haben früh entdeckt, dass der Konsum gesteigert werden kann, indem man Werbung schaltet. Bis ins kleinste Detail raffiniert und professionalisiert verseucht diese das Gedankengut der Arbeiterin und lockt ihnen den letzten Cent aus der Tasche um das Gefühl zu vermitteln, wenigstens ein wertvolles Mitglied der Konsumgesellschaft sein zu können. Sollte dies einmal nicht der Fall sein, springen Banken gerne und hilfsbereit mit “zinsgünstigen” Krediten ein. Wer hier die Falle nicht erkennt, muss blind sein – oder vernarrt, verwirrt, verzaubert, ver-opfert. 

Es kann also nicht sein, dass der Konsum erstrebenswert ist, genau so wenig wie die spezialisierte Produktion von Konsumgütern. Hiermit wird dargelegt, dass ein Großteil der heutigen Produktions- und Konsumketten vollkommen am Bedarf und somit am Sinn des Lebens vorbei zielen. 

Wenn also die Reproduktion den größten Sinn im Leben ergibt, dann stellt sich die Frage, wie diejenigen, die dessen nicht in der Lage sind, ihr Leben sinnvoll gestalten können.

Da drängt sich die Frage auf, ob die Lehre – als Dienstleistung, wohlgemerkt – ein sinnstiftendes Element sein könne. Prinzipiell würde ich mit “ja” antworten, wären da nicht Faktoren wie der menschengemachte Klimawandel oder (aktuell) nahe Kriege (mit bedrohlichen Szenarien, die zur Ausrottung der Menschheit führen könnten.) 

Gerade diese beiden Tatsachen, in Zusammenhang mit der Machtgier und Unbelehrbarkeit der Politik, und der dadurch ziemlich absehbaren Zukunft (die schon vor 50 Jahren prophezeit wurde), wird das Rätsel nach dem Sinn des Lebens, nicht nur für diejenigen die der Reproduktion nicht mächtig sind, immer unlösbarer. 

Der Mensch redet von sich selbst als Zivilisation und erhebt sich damit gegenüber anderen Lebewesen und der Welt in der er lebt. Ausbeutung – anderer Menschen und der Erde – ist auch heute immer noch an der Tagesordnung und wird so schnell nicht aufhören. Im Gegenteil, der wachsende Kapitalismus schreit förmlich nach mehr und mehr. 

Immer älter werdende Menschen, also immer mehr Menschen, die mehr produzieren und konsumieren – ich verweise hier nur auf die Menge an Lebensmittel die überproduziert und entsorgt wird – werden früher oder später zu einem Produktions- und Konsumkollaps führen. Doch kann uns das alles egal sein, wenn wir schon heute unsere Schäfchen ins Trockene bringen und dafür sorgen, dass es unseren Nachfolgegenerationen durch Erbe an nichts fehlen wird. Viele sehen den Sinn im Leben auch darin, des größere Haus oder das größere Auto zu haben, mit ihrem Glück, in einem friedlichen Land, gesund geboren worden zu sein und eine hochwertige Ausbildung genossen zu haben, mit der Ausnahme des Tellerwäschers, der zum Millionär wurde.

Diese Menschen sind somit zu, von der Gesellschaft, erstrebenswerten Konsumenten geworden. 

Mir widerstrebt allerdings der Gedanke, daran teilzunehmen. Ich mag nicht konsumieren auf Kosten anderer. Dennoch “muss” ich es tun um meine soziale Absicherung (manche nennen es auch Hängematte) nicht zu verlieren. Es geht ja auch fast gar nicht anders. Wilderei ist verboten, was mir einzig die Möglichkeit böte, auf eigenem Land (wofür man Grundstückssteuern bezahlen müsste) meine Nahrung selber anzubauen – quasi zurück zu den Wurzeln, vor dem Zeitalter der Industrialisierung. Eigenes Land deshalb, weil man selbst in Wäldern die in Staatsbesitz sind, nicht einfach leben darf (oftmals darf man nicht einmal dort hausen).

Was also ist der Sinn des Lebens, wenn die Reproduktion aufgrund der oben genannten Tatsachen auch nicht mehr als das angesehen werden kann, wozu sie früher einmal diente.

Würde man nicht der Menschheit, dem Planeten einen Gefallen tun, wenn man selbstbestimmt Enden könnte? (Auch das ist verboten!) Die Geburt wird in allen Kulturen als Glück dargestellt, dabei wurde niemand gefragt ob sie auf diesem Planeten überhaupt verweilen will – und wenn ja, wie lange. 

Unsere Gesellschaft sollte seinen Bürgerinnen die Rechte einräumen und denjenigen, die nicht teilnehmen wollen, die Möglichkeit bieten, sich aus der Kette der ewigen Sklaverei (Produktion – Konsum) auszulösen. Die geneigte Leserin wird jetzt behaupten, dem wäre so – doch ist das alles nur ein Irrglaube. Aussteigerinnen müssten konsequenterweise (nach dem Ausstieg) auf den Erwerb von sämtlichen Waren und Dienstleistungen, auch dem kostenlosen Arztbesuch, verzichten. Um Einsamkeit zu vermeiden, um Gefahren abzuwehren, um Unterstützung zu erhalten, würde es sich empfehlen in Gruppen zu wohnen – aber da kommt sofort der Gedanke der Sekte ins Spiel. Solche Menschen weichen von der Norm ab und werden bis heute wieder zurück “eingegliedert”. 

Solange wir als Gesellschaft auf die Norm verharren, sehe ich keinen anderen Ausweg dem zu entkommen, als das selbstbestimmte Beenden des Lebens. 

Jede die anderer Meinung ist, ist meines Erachtens verblendet, ver(w)irrt, verzaubert oder ver-opfert.

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